Einleitung

Der Pacific Northwest des nordamerikanischen Kontinents – Washington State, Kanada, Alaska! All dies übte schon jahrelang eine große Phaszination auf mich aus: Endlose Weite, unberührte Landschaften, hohe Berge, rauhes Klima, wilde Tiere, Nationalparks, "the last frontier"… Im August 1998 unternahmen wir mit der ganzen Familie eine kombinierte Geschäfts-/Urlaubsreise nach Seattle, Washington. Angeblich regnet es in Seattle 10 Monate im Jahr, mit schönem Wetter im Juli und August. Passte genau für uns: Das Wetter war herrlich. Während meine Frau Tannaz tagsüber im Trainingskurs saß, erkundete ich mit Sohn Philip und Tochter Sarvenaz die nähere Umgebung; darunter auch den Mt. Rainier Nationalpark. Dort faßte ich den Entschluß, einmal wiederzukommen, um diesen mächtigen Vulkan zu besteigen.

Im darauf folgenden Sommer wurde dieser Plan Wirklichkeit: Im August 1999 verbrachte ich 4 Wochen in Washington, Oregon, British Columbia, Yukon und Alaska. Schon während der Reise schilderte ich meinen Verwandten und Freunden meine Erlebnisse via email. Aus den email-Fragmenten entstand später dieser Reise-Bericht, ergänzt um einige der dort aufgenommenen Photos.

 

Sonntag, 1. August: Anreise von West Palm Beach, Florida nach Seattle, Washington.

Beim Vulkan Mt. St. Helens

Blick auf Mt. St. Helens von NordenMontag, 2. August: Nach meiner Ankunft gegen Mitternacht am Sonntag fuhr ich in die Gegend des Mt. St. Helens und hatte eine ca. 5h Wanderung auf einen kleinen (knapp 2000m) Vorberg ca. 10 km nördlich des Vulkans. Dadurch hatte ich eine sehr gute Sicht auf den Berg, dessen obere 500m in der Explosion im Mai 1980 weggesprengt wurden und die umliegende Landschaft verwüsteten. Heute noch 19 Jahre danach sieht man die gewaltigen Zerstörungen. Im Spirit Lake liegen tausende Bäume, die damals umgeblasen wurden. An den umliegenden Berghängen liegen dicke Baumstämme alle in den selben Richtungen umgeblasen etwa konzentrisch um den Vulkan herum. Man kann auch studieren, wie die Natur langsam die zerstörte Landschaft zurückerobert. Es war eine gute Tour zum Eingewöhnen für mich Flachland-Tiroler und zum Eingehen meiner neuen Bergschuhe, welche ich noch nie benutzt hatte. Außerdem ein strahlender, heißer Tag mit Fernsicht auf die umliegenden größeren Vulkane Mt. Rainier, Mt. Adams und Mt. Hood.

Dienstag, 3. August: Ich plante dann einige weitere Touren zu machen bevor ich Mt. Rainier soz. als Krönung angehen würde. Am Dienstag besorgte ich noch etwas Ausrüstung (Pickel, Überhose, Stirnlampe, Kocher) bei einem Shop in Portland und fuhr dann nachmittags hinauf zum "Basislager" für den Mt. Adams (ca. 3800m), ein Vulkan südöstlich vom Mt. Rainier und östlich vom St. Helens.

Bergtour auf den Mt. Adams, Washington

Am Gipfel des Mt. Adams, 3800mMittwoch, 4. August: Nach einer Nacht im Zelt auf 1650m ging ich bei klarem Sternenhimmel um 4:00 früh los. Bei Mondschein gings hinauf über die Baumgrenze auf die Schneefelder des Mt. Adams. Bei gutem harten Firn stieg ich schnell bis ca. 2800m zu einer Schulter (treffend "lunch counter" genannt), auf der viele andere im Zelt übernachten und es als 2-Tage-Tour anpacken. Von dort ging es einen mäßig steilen 400m Hang hinauf, wo uns die Sonne ganz schön schwitzen lies und der Schnee zusehend tiefer wurde. (Hat mich sehr an die Königsspitze erinnert.) Nach kurzem Imbiß ging's dann vom "false summit" auf den richtigen Gipfel des Mt. Adams auf ca. 3800m. War überrascht, in der doch recht großen Höhe noch ganz gut Luft zu bekommen. Das viele Radfahren zuhause in Florida bringt eben eine gute Kondition und durch gleichmäßiges Steigen konnte ich die ca. 2200 Hm in 6 1/2 h überwinden. Am Gipfel die phantastische Aussicht hinüber zum Mt. Rainier, Mt. St. Helens und Mt. Hood im Süden in Oregon. Der absolut strahlend blaue Himmel war nicht zu überbieten. Die Eindrücke mit nächtlichem Aufstieg, Morgendämmerung, Morgensonne usw. waren unvergeßlich.

Mt. Adams ist ca. 600m niedriger und viel weniger überlaufen als Mt. Rainier, wenngleich sehr ähnlich und sicher ebenso sehenswert. An diesem Tag waren vielleicht 15 Leute am Berg, gerade richtig, nicht zuviel, nicht zuwenig. Eine Gruppe war unterwegs mit einigen Senioren, im Ruhestand befindliche FireFighters. Der eine war so "cool", der saß die ganze Zeit in dünnem Hemd am Gipfel, ja entblößte sich sogar in kurze Hose und T-Shirt für das Gipfelphoto. Es hatte ca. Null Grad und vielleicht 30km/h Wind! Manche frieren eben einfach nicht so leicht. Ein anderer 60-Jähriger kam mit ca. 1h "Verspätung" heraufgeschnauft, gerade als alle anderen gehen wollten. Als er erschöpft um kurze Pause bat, brachte er eine winzige Flasche mit Schnee-Eiswasser hervor als Getränk. Da ich seinen Durst und Erschöpfung ahnen konnte, bot ich ihm einen Liter Gatorade an (ich hatte 4 l mitgenommen, etwas mehr als ich brauchte). Er konnte sein Glück kaum fassen und trank die ganze Flasche in zwei Zügen, nachdem ich ihm versicherte, er könne alles trinken. Seine Freude zu sehen war mind. ebenso gut wie selbst zu trinken!

Nach 90 Min. am Gipfel schlenderten wir gemütlich nach unten, was durch das Abrutschen im weichen Firn sehr schnell ging und unheimlich viel Spaß macht. Die Leute hier setzen sich einfach in den Schnee und rutschen am Hosenboden die Hänge hinunter - sie nennen das "glissade". Eine richtige Rutschbahn über hunderte Hm hinab, da kommt Freude auf und es schont die Gelenke, da es den Abstieg quasi erspart.

Ich stieg wieder bis zum Auto ab und war gegen 16:00 froh, endlich von der sengenden Sonnen-Strahlungs-Hitze der Schneefelder herunter zu sein. Einfach nur im Schatten der Bäume sitzen und trinken - die Freuden des Bergsteigers sind eigentlich sehr einfach!

erlösender Schatten nach der Gletscherhitze am Mt. AdamsNun entwickelten sich zunächst harmlos aussehende Quellwolken. Ich fuhr ins Tal, duschte am Campingplatz, stellte mein Zelt auf und fuhr gemütlich zur lokalen Pizzeria für einen guten Abschluß des Bergabenteuers. Da braute sich ein Unwetter zusammen, wie ich es selten erlebt habe. Der Luftdruck fiel rasch und die seit Tagen sengende Hitze von über 30 Grad im Tal gab Anlaß zu enormen Gewittern mit nicht enden wollenden Blitzen und Hagel. Ich war vielleicht froh, im Tal zu sein - viele der anderen Bergsteiger hatten beschlossen, noch eine Nacht am Berg zu verbringen - diese war bestimmt miserabel in dem Gewitter! Selten wurde mir so klar, wie vorteilhaft es ist, am Berg schnell zu sein: Wenn's schön ist schnell rauf und runter, dann ist man wieder in Sicherheit wenn das Wetter umschlägt. Hoffentlich ist den Leuten nicht's passiert, denn ihr Zeltplatz war relativ ausgesetzt und es hat wie gesagt sehr viele Blitzeinschläge gegeben. Ich werde heute abend vielleicht mehr darüber erfahren: Einer der Bergsteiger gab mir seine Tel.Nr. - er wohnt mit seinem Sohn in Seattle und bat mir an, ihn am Wochenende zu besuchen. Dann kann er mir von der Gewitternacht erzählen...

Blick auf den Columbia River, Grenze Oregon / WashingtonDonnerstag, 5. August: Am Donnerstag gab's einen Rasttag - ich entschloß mich, den ca. 50km südlich gelegenen Vulkan Mt. Hood zu besteigen, welcher zwar knapp niedriger ist (ca. 3400m), aber sehr formschön und oben ziemlich steil, also bergsteigerisch eine interessantere Sache als Mt. Adams und ein weiterer guter Trainings-Schritt für den Mt. Rainier. Auf der Fahrt dorthin schaute ich 2h lang den Windsurfern an der Columbia River Gorge zu. Dort herrschen offenbar immer ziemlich starke thermische Winde, verstärkt durch einen Düseneffekt in der Schlucht.

Bergtour auf den Mt. Hood, Oregon

Danach fuhr ich weiter in den Mt. Hood National Forest. Ich schwamm in einem kleinen Bergsee mit Blick auf den Mt. Hood - etwa so wie der Eibsee in Garmisch. Über eine lange, einsame und teilweise schotterige Bergstraße fuhr ich "hinten herum" zur Südseite des Berges. Dort gibt es ein Sommer-Skigebiet mit der berühmten Timberline-Lodge ("Timberline" heißt Baumgrenze).

Bei der Timberline Lodge am Mt. HoodDies ist ein imposantes Gebäude errichtet 1936/37 im Rahmen der damals stattfindenden staatlichen Arbeitsbeschaffungs-Programme unter Präsident Franklin D. Roosevelt. Auf einem Video kann man beobachten, wie das Gebäude errichtet wurde - sehr beeindruckend. Es ist ein urgemütliches Hotel mit viel Holz, Kaminfeuer usw. Da müssen Tannaz und ich unbedingt einmal hinauffahren und einen romantischen Abend verbringen. Da nur ca. 1 Autostunde von Portland entfernt, ist es natürlich ein touristisch stark frequentiertes Gebiet. Dazu kommen die Skilifte und das Gletscher-Sommer-Skigebiet. Riesiger Parkplatz, ziemliche Snowboarder und Skifahrer-Massen - völlig anders als die Erfahrung am Mt. Adams...

Freitag, 6. August: Nach einer Auto-Nacht (Lodge war ausgebucht) auf dem Parkplatz in 1850m Höhe - gut zur Akklimatisation - ging's wieder gegen 4:30 los über die permanent von Pistenraupen präparierten relativ flachen Gletscher hinauf zum Berg. Ähnlich wie 2 Tage zuvor klare Nacht, Morgensonne, tolle Aussicht. Die Bergsteiger-Saison endet hier meist Mitte Juli, weil mit zunehmender Schneeschmelze im oberen Teil des Berges ein großer Bergschrund klafft, der ein Passieren fast unmöglich macht. Es war nur ein anderer Bergsteiger unterwegs, der vor mir aufstieg. Er hatte die Schlüsselstelle zwar bereits überwunden, war aber dann umgedreht, weil es ihm nicht so behagte. Die letzten 150 Hm geht es sehr steil hinauf und ist ziemlich steinschlag-gefährdet, vor allem später am Nachmittag. Mit dem neu gekauften Pickel und meinen 12-Zacker-Steigeisen ging es aber dank des guten Schnee (harter Firn) doch recht gut. Natürlich war es ein wenig riskant, aber aufgrund der frühen Stunde und meines hohen Tempos verbrachte ich eine minimale Zeit in dem Steinschlag-Bereich. Am Ende des Schneefelds steigt man praktisch direkt auf den Gipfelgrat bzw. wenig später den Gipfel hinaus.

3000m Tiefblick vom Gipfel des Mt. HoodErst dann öffnet sich die Aussicht vom Gipfel des Mt. Hood nach Norden. Und da bleibt einem ziemlich die Luft weg! Der Berg bricht sehr steil nach Norden ca. 2000m über wilde Gletscher hinab und man schaut in die umliegende Landschaft ca. 3000m hinunter! Leider war die Luft sehr diesig und ich konnte die anderen Vulkane nicht sehen. Wegen des sich verschlechternden Wetters sowie der zunehmenden Steinschlag-Gefahr verbrachte ich nur 15 min. am Gipfel und sah zu, die schwierige oberste Passage schnell hinter mich zu bringen. Durch Abrutschen im unteren Bereich war der Abstieg wieder recht schnell erledigt, insgesamt 7h roundtrip. Bemerkenswert war auch noch der eigentümliche Schwefelgeruch aus einigen qualmenden Schloten, wie das eben auf Vulkanen so üblich ist. Gerade eben noch der einzige am Gipfel an diesem Tag, dann mischte ich mich gegen 10:00 wieder unter die Hunderten Skifahrer und Snowboarder ...

Mittag verbrachte ich mit Ausruhen, Trinken und Essen auf der Lodge, später fuhr ich dann nach Portland. Ich brauchte einmal wieder eine Pause, ein Hotelzimmer, ein gutes Abendessen, eine Waschmaschine voll frisch gewaschener Wäsche...

Soweit mein bisheriger Urlaub. Leider scheint das schöne Wetter vorläufig Pause zu machen. Bis Mitte nächster Woche ist es eher regnerisch und kühl angesagt. Vielleicht hätte ich doch gleich den Mt. Rainier statt dem Mt. Adams angehen sollen? Naja, was soll's. Werde heute nach Seattle fahren, wo Tannaz dann meine Papiere hinschickt, sodaß ich doch noch nach Kanada fahren kann (hätte sonst nicht ausreisen können). Werde dort dann entweder ca. 1 Woche verbringen, nach Seattle zurückfahren und nach Alaska fliegen oder alles per Mietwagen hinauf- und hinnuterfahren. Muß ich mir noch überlegen...

Relaxen in Seattle

Samstag, 7. August: Das Wochenende verbrachte ich in Portland und Seattle mit Relaxen. Nach der Tour auf den Mt. Hood brauchte ich erstmal eine Pause - die ganze erste Woche war ja wie berichtet ziemlich dem Bergsteigen gewidmet.

An den Piers des Pike Street Market in SeattleSonntag, 8. August: Gegen Sonntag nachmittag klarte das Wetter unerwartet auf und es wurde richtig schön. Ich verbrachte den Nachmittag am Pike Street Market in Seattle und an den diversen Pier's in der downtown Hafen Gegend. Erinnerungen an unseren Urlaub letztes Jahr wurden wach, als ich zum Abendessen an demselben Pier Restaurant fast an demselben Tisch saß wie die ganze Familie ein Jahr zuvor. Es war eine tolle Stimmung mit der Abendsonne, den Ausflugsbooten, Fähren und sonstigen Hafenaktivitäten. Die U.S. Marine hatte einige Kriegsschiffe und einen Flugzeugträger im Hafen, quasi die Attraktion des Wochenendes. Kameraleute aus Hubschraubern bannten die action auf Film, die "Seattleitis" kamen zu tausenden um die Schiffe zu besichtigen. (Die Warteschlangen dafür waren hunderte Meter lang; anstehen und warten ist für die Amerikaner scheinbar part of the fun!) Und über allem thronte in der Ferne gegen einen klaren Abendhimmel: Mt. Rainier, ca. 50km Luftlinie entfernt. Das sollte mein Ziel für die nächsten zwei Tage sein. Kann man diesen großen Berg in nur zwei Tagen soz. im "Husaren-Mode" packen? Wird das Wetter halten? Bin ich nach der ersten Woche ausreichend an die Höhe angepaßt? Viele Fragen gingen mir durch den Kopf, als ich Sonntag abend Richtung Mt. Rainier National Park losfuhr und auf dem Weg dorthin übernachtete.

Bergtour auf den Mt. Rainier, Washington

Anstieg zum Camp Muir am Mt. RainierMontag, 9. August: Am nächsten Morgen füllte ich alle Vorräte mit Lebensmitteln auf und fuhr zum Paradise Visitor Center hinauf auf 1650m; genau am selben Platz hatten Sarvenaz, Philip und ich letztes Jahr einen wunderschönen Augusttag verbracht, während Tannaz ihren Kurs besuchte. Dieses Jahr liegt viel mehr Schnee, aber das Wetter ist genauso blendend: Nahezu wolkenlos, relativ heiß, könnte kaum besser sein. Ich checke bei der Ranger Station des Mt. Rainier Nationalpark ein. Die Amerikaner haben hier ein System mit Wilderness - und Climbing Permits; dabei registriert man sich mit einigen wichtigen Informationen wie Addresse, Notfall-Kontakt-Addresse, Ausrüstungs-Checkliste, geplante Route und Start- und End-Zeitpunkt usw. Am Ende der Tour checkt man aus. Das ganze kostet ca. $10-15; dafür gibt es eine gewisse Sicherheit, z.B. im Falle eines unerwarteten Schlechtwetter-Einbruchs etc. So wissen die Ranger, wer wo am Berg unterwegs ist. Außerdem gibt's aktuelle Information zu Wetter, der Beschaffenheit der Routen usw.

Es sieht alles ziemlich gut aus, nach etwas Neuschnee exzellente Bedingungen am Berg, und ich bekomme ohne Probleme ein Solo-Climbing-Permit, offenbar etwas ziemlich Rares, da die meisten hier in größeren Gruppen oder sogar mit den Führern der lokalen Organisation RMI (Rainier Mountainieerung Inc.). Da diese quasi ein Monopol für geführte Touren haben, verlangen die stolze Summen für eine geführte Tour auf den Berg: $ 400 kostet eine 2-Tage-Tour incl. geliehene Ausrüstung. Der zuständige Ranger fragt mich nach meiner bisherigen Berg- und Gletscher-Erfahrung und lernt dabei einiges über die Berge in den Alpen. Ich komme mir ein bißchen vor wie bei einem Job-Interview - und es wird mir klar, wie lange ich schon keine richtige Bergtour vor diesem Urlaub gemacht habe!

Schleppen und Schwitzen auf dem Gletscher...Mit einem monströsen Rucksack starte ich dann gegen Mittag Richtung Camp Muir - dem Standard-Stützpunkt auf 3100m für die Besteigung des Mt. Rainier auf der Normalroute. Da es kein Wasser gibt und ich nicht viel Schnee schmelzen und kochen wollte (hatte allerdings Kocher dabei!), nahm ich allein 6l zu trinken mit. Mit Schlafsack usw. kommt natürlich vieles zusammen: schätzungsweise 20kg hatte ich zu schultern - ich glaube seit 1987 in Neuseeland habe ich nicht mehr so geschleppt.

Aber ich finde einen guten langsamen Rhythmus und überwinde die 1500 Höhenmeter in gut 4h ohne Pausen. Dabei öffnet sich ein Panorama in der Nachmittagssonne auf die umliegende Landschaft sowie die anderen Vulkane, auf denen ich bereits letzte Woche oben war...

Abendstimmung auf 3200m oberhalb Camp MuirCamp Muir ist eine Ansammlung kleinerer Hütten und Klo-Häuschen. Zwei aus Stein gemauerte "Hütten" sind für die geführten Touren, eine für private Touren. Viele der anderen Bergsteiger haben ihr eigenes Zelt dabei und campieren direkt nebenan auf dem Gletscher - ganz schön frisch! Aber die richtige Ausrüstung macht's möglich. Ich habe auch genug Kleidung und Camping Gear dabei, sodaß es mir an nichts fehlt. Ich steige noch ein wenig höher - ohne Rucksack fühle ich mich fast schwerelos - um einen Teil der morgigen Route einsehen zu können, eine bessere Akklimatisation zu erzielen und die Abendstimmung voll genießen zu können.

Vorbereitungen im Lager Camp MuirWieder zurück im Camp Muir geht es an die Vorbereitungen für morgen - außerdem habe ich seit dem Frühstück nichts gegessen und muß viel trinken. Einige andere in unserem Bunk-Room versuchen bereits zu schlafen obwohl draußen noch die Sonne scheint! Die wollen anscheinend früh raus. Die Sonne geht nach 20:00 unter, draußen wird es frisch und es bläst ein ziemlich starker Wind. Ob morgen noch einmal ein schöner Tag wird? Laut Wetterbericht wird es langsam schlechter, morgen noch einmal fair weather, übermorgen dann soll es regnen. Ich brauche nur noch 24h schönes Wetter - wie wird es morgen?

Dienstag, 10. August: War Mt. Hood ähnlich zur Königsspitze in Italien, so ähnelt Mt. Rainier dem Mt. Blanc in Frankreich: Die 2-Tages-Tour, die Übernachtung auf der Hütte in relativ großer Höhe, der nächtliche Aufbruch, der Sternenhimmel mit Milchstraße so klar, daß man vor lauter nach oben schauen fast stolpert, die Höhe, die massiven Gletscher usw. Sowie mein Vater und ich 1984 vor 15 Jahren im August auf den Mt. Blanc unterwegs waren, so ist es heute beim nächtlichen Aufbruch. Da ich das Wochenende bewußt gemieden hatte, ist es unter der Woche weniger voll - wir sind zu sechst in einem Schlafraum für vielleicht 15-20, also viel Platz. Mein Ruhepuls liegt bei 100, also gut doppelt so hoch wie im Tal (auf der Gouter-Hütte war er bei 120; letztere ist allerdings auch 700m höher auf 3800m). Die anderen stehen kurz vor Mitternacht auf; an richtigen Schlaf ist daher nicht zu denken. Man döst so vor sich hin und die Gedanken schweifen hinauf auf den Berg und an die bevorstehenden Stunden.

Ich selbst stehe um 2:00 auf und starte gegen 2:30. Am Gletscher sehe ich die ganzen anderen Gruppen, viele davon mit den Führern von RMI. Eine einzige Prozession mit ca. 30-40 Lichtern markiert den Weg gegen einen absolut klaren Nachthimmel oben Mond oder Restlicht. Es ist kalt und mäßig windig. Noch sieht man alle Sterne und es müßte eigentlich für die nächsten Stunden reichen. Die vor mir gehenden Gruppen sind viel langsamer, sodaß ich rasch in einen "Verkehrsstau" gelange. Durch das ungeübte Gehen am Seil verheddern sich viele, einige sind konditionsmäßig schlecht drauf und natürlich kann eine Seilschaft immer nur so schnell gehen wie das langsamste Glied. Auf einem steileren Geröllband überhole ich einige Seilschaften. Allerdings gehen mir jetzt meine Batterien der Stirnlampe aus und es ist noch ca. 1h bis zur Morgendämmerung. Also reihe ich mich in die Karavenen ein und "schmarotze" soz. ein bißchen von deren Lichtern. Einmal stolpert ein Bergsteiger und stürzt ,allerdings ohne Konsequenzen da in verhältnismäßig flachen felsigen Gelände. Bei der offensichtlich mangelnden Erfahrung dieser zahlenden Kundschaft denke ich, es ist vielleicht sicherer ohne Seil, da ein Sturz von anderen evtl. die ganze Seilschaft mitreissen würde.

Sonnenaufgang am Mt. Rainier, ca. 4000mOberhalb des Felsbandes am Gletscher kann ich dann wieder ohne Lampe gehen und bin bald fast ganz vorne an der Spitze der Prozession. Allmählich wird es hell. Ein phantastischer Ausblick tut sich nun auf, hinunter über die riesigen Gletscher und hinaus in die Ebenen. Der Pfad ist gut ausgetreten und auf hartem Firn geht sich's ausgezeichnet. Allerdings bin ich durch die zunehmende Höhe und die stop-and-go und Überhol-Manöver ziemlich außer Atem, sodaß es mir nicht mehr gelingt, einen langsamen gleichmäßigen Rhthmus zu gehen. Außerdem nimmt der Wind jetzt an Stärke zu und ich merke, daß ich unter meinem Anorak noch mehr anziehen muß. Ich erreiche eine Flanke und suche einen windgeschützten Platz, aber es gibt kaum einen. So kauere ich mich hinter einen kleinen Felsen und hole mein Fliess aus dem Rucksack. Dann Anorak ausziehen, im T-Shirt im stürmischen Wind stehen und das Fliess anziehen! Ich halte alles so fest ich nur kann, denn sollte es mir die Kleidung fortblasen, könnte das hier tödliche Konsequenzen haben. Die Auseinandersetzung mit den Elementen hier oben am Berg kann ziemlich brutal sein. Plötzlich merke ich, wie sich mein Denken fast nur noch darauf konzentriert, wie ich der brutalen Kälte entgehen kann. Fast empfinde ich so etwas wie Platzangst, da ein schnelles Entkommen aus dem Wind und der Kälte nicht möglich ist! Ich packe wieder alles ein und zittere. Ich denke an's Umdrehen, da der Wind weiter oben wohl noch stärker und kälter sein dürfte. Aber ich denke, weitergehen, dabei aufwärmen und vielleicht eine windgeschütztere Stelle finden sollte ausreichen. Außerdem geht gleich die Sonne auf (es ist ca. 5:30) und die sollte auch wärmen. Wie sich herausstellen sollte, war dies sicher die richtige Entscheidung, aber für einen Moment dachte ich ernsthaft ans Umdrehen.

Seilschaft am Gletscher des Mt. RainierSo geht es weiter über massive Gletscherhänge und nach meinem Höhenmesser in der Avocet-Uhr bin ich auf ca. 4000m. Also noch 400 Höhenmeter! Ich bin schon ziemlich erschöpft. Ich gehe immer 40 oder 50 Schritte und muß dann 10mal tief Luft holen, um weitergehen zu können! Langsam bekomme ich eine Ahnung von den Strapazen der Himalaya-Bergsteiger, die sich selbst solch Quälerei stunden- und tagelang unterziehen. Allerdings ist die Umgebung wirklich spektakulär. An die 20-30m tiefe Gletscherspalten und Seracs werden umgangen. Mit der Morgensonne sieht alles noch viel toller aus. Immer noch ein Buckel taucht auf, und weiter keuche ich nach oben.

Dank des Höhenmessers weiß ich, was noch vor mir liegt. Das Wetter ist weiterhin klar, nur einige harmlose bodennahe Wolkenfelder fließen 3000m tiefer von Westen herein. Der Tiefblick in das bis zu 4000m tiefere Umland ist hinreißend. Gegen 8:00 erreiche ich dann den Krater-Rand, eine knappe halbe Stunde später stehe ich am Gipfel des Mt. Rainier, 5.-höchster Berg in USA! Der Wind hat hier nahezu Sturmstärke, ca. 70-80km/h würde ich sagen, man hat bereits Mühe, gerade zu gehen, geschweige denn gegen den Wind zu steigen. Ich hole alles dicht, was an Sturmmützen und Anorak zu haben ist und versuche, den Elementen zu trotzen.

Am Gipfel des Mt. Rainier, 4410m

Nur zwei andere Bergsteiger haben es bis hierher geschafft, vielleicht eine Handvoll werden noch kommen. Die allermeisten der 30-40 Karavanen-Teilnehmer haben jedoch umgedreht, es ist einfach zu anstrengend für die meisten. Ich schaue zum Mt. Adams, Mt. St. Helens und Mt. Hood hinüber, wo ich letzte Woche oben war. Einige Photos, dann wird es zu kalt und ich starte wieder hinab. Die große Höhe (4400m), die Kälte, der Wind, der Schlafmangel und die 3000+ Höhenmeter Anstieg der letzten 16h machen mir sehr zu schaffen. Ich bin so erschöpft, daß ich selbst beim Abstieg alle 100m oder so stehen bleibe und auf den Pickel gebeugt keuche. Jetzt heißt es aufpassen, da ein Sturz böse Folgen haben könnte, ohne Seil mit teilweise sehr großen Spalten ist das hier schon ein ernste Angelegenheit.

Ich komme dann aber ohne Probleme wieder zum Camp Muir und raste und trinke dort ein wenig. Alles wieder eingepackt und dann der Abstieg hinunter zum Visitor Center. 3000 Höhenmeter Abstieg - zum Glück kann ich wieder das meiste auf dem nunmehr weichen Firn abrutschen, was die Knie schont. Nun wird es wieder fast unerträglich heiß mit der brütenden Gletschersonne gegen Mittag. Schon faszinierend, wie man in wenigen Stunden mehrfach zwischen zu heiß und zu kalt hin-&-her-pendelt. Das alles summiert sich zu dem großen Erlebnis, welches eine solche Bergtour darstellt. Noch lange werde ich den 4000m Tiefblick von dort oben, die grandiosen Gletscher, den nächtlichen Sternenhimmel und das Frieren und Schwitzen in Erinnerung behalten! Hoffentlich gibt das einige gute Photos.

Am nachmittag fahre ich dann wieder Richtung Seattle und checke unterwegs in einem Motel ein. Von dem Passieren zweier steinschlag-gefährdeter Schneefelder abgesehen (auch das war wie am Mt. Blanc!) war diese Autofahrt wahrscheinlich das gefährlichste an diesem Tag, da ich zweimal fast eingeschlafen wäre! Ein Bad in einem herrlichen kleinen See mit Blick auf den Mt. Rainier erfrischt mich ausreichend lange, daß ich das Motel dann doch sicher erreiche. Im nahen Restaurant wähle ich dann ein T-Bone Steak - "for those serious about quantity", wie es auf der Speisekarte heißt. Praktisch kein warmes Essen oder Trinken seit fast 2 Tagen und dann all diese Höhenmeter und Höhenluft - ihr könnt Euch vorstellen, wie hungrig ich war! Selten habe ich mich so über Essen, heiße Dusche und warmes Bett gefreut. Die Himalaya-Bergsteiger können von sowas für 4-6 Wochen lang nur träumen - dort ist das Basislager 1000m höher als hier der Gipfel, es gibt nur Schnee und Felsen mit fliessend kalt Wasser... Schon erstaunlich, welchen Strapazen sich diese Leute aussetzen und dafür z.B. am Mt. Everest auch noch bis zu $ 65.000 hinlegen! Man gönnt sich ja sonst nichts...

Weiterreise nach British Columbia, Canada

Mittwoch, 11. August: Heute morgen habe ich noch schnell das FedEx Paket mit den Ausweis-Papieren abgeholt. Alles hat geklappt und heute werde ich Richtung Kanada und Vancouver starten. Das Wetter ist erst einmal schlechter angesagt für die nächsten 2, 3 Tage (Kaltfront). Aber für mich ist das perfektes Timing - nach der Tour gestern habe ich meine bergsteigerischen Ambitionen für’s Erste erfüllt und werde mich nun per Auto durch Kanada nach Alaska auf den Weg machen - da kann es ruhig ein wenig regnen...

Am ersten Tag starte ich von Seattle und erreiche am Abend Vancouver. Allerdings nicht ohne einen kleinen Zwischenfall – eine etwas leichtsinnige Entscheidung hätte mich beinahe in Bedrängnis, ja theoretisch sogar ins Gefängnis bringen können! Ich hatte einen jungen Mann als Anhalter mitgenommen, der mit Rucksack unterwegs war und abgesehen von seinem leichten Skinhead-Aussehen eigentlich einen ganz vernünftigen Eindruck machte. Ich meinte noch kurz vor der Grenze beim Volltanken quasi halb scherzend, er habe doch wohl nicht’s dabei, was illegal sei und uns aufhalten könne. Er winkt wie erwartet ab. An der Grenze stellt sich heraus, daß er keine Papiere hat und wir werden herausgeholt und das Gepäck durchsucht. Plötzlich wird mir klar, daß ich mich auf etwas eingelassen habe…

Ein Grenzer nimmt mich zur Seite und macht mir die Leichtsinnigkeit meiner Entscheidung bewußt, einen unbekannten Anhalter über eine internationale Grenze zu bringen. "If this person carries weapons or drugs, you can get in real trouble; technically you could even go to jail for this!" Und beim Durchsuchen seines Rucksacks tauchen tatsächlich einige merkwürdige Pfeifen und illegale Medikamente und Narkotika auf – offenbar mixte er sich gerne einen speziellen Joint! Ich saß einige Zeit auf der Bank und sah mich schon mit dem Schlimmsten konfrontiert – was für ein jähes Ende des Urlaubs das hätte werden können. Die Beamten durchsuchen auch meine Sachen und das Auto und sehen dann ein, daß ich nichts mit dem Tramper zu tun habe und lassen mich schließlich nach einer entspr. Belehrung "laufen" und ich kann wie geplant einreisen. Das gab ein unerwartetes Gefühl der großen Freiheit, wegen welcher ich ursprünglich in den Pacific Northwest gekommen war…

Eine kurze Stadtrundfahrt in Vancouver (u.a. Stanley Park) bei kühlem, wolkigen Wetter gibt einen wahrscheinlich durchaus typischen Eindruck. Im Canada Center, Zentrum der Expo von 19??, sehe ich ein IMAX Double-Feature mit den Filmen "Sharks" und "Extreme". Danach fahre ich noch spätabends die Straße zu einem Skigebiet hinauf, wo man aus ca. 400m Höhe einen tollen Ausblick auf die ganze Stadt hat. Ich fahre dann noch ein Stück Richtung Whistler hinaus und campiere auf dem ersten Zeltplatz außerhalb der Stadt. Zum Rauschen eines mehrere hundert Meter hohen Wasserfalls schlafe ich ein…

Donnerstag, 12. August: Am nächsten Tag erreiche ich nach kurzer Fahrt das beliebte Skigebiet Whistler. Die schnell wachsende Gemeinde erinnert ein wenig an die französischen Ski-Retorten-Städte, allerdings mit weniger Hochhaus-Burgen und etwas mehr schweizerischem Charme. Leider ist wie gesagt das Wetter nicht besonders, so daß die Seilbahnen auf die vielgerühmten Aussichtsberge nicht locken. Ich spaziere ein bißchen in dem Ort und studiere die Ski-, Snowmobil-, Mountainbike-, Kayak- und Heli–Touren, die überall angeboten werden. Die riesigen Parkplätze lassen erahnen, welche Massen hier an den Wochenenden v.a. im Winter einfallen.

In den Rockies von British ColumbiaDie Fahrt geht weiter Richtung Nordosten nach Kamloops. Dort kaufe ich einige Lebensmittel und u.a. einige CD-ROMs für den CD-ROM Player meines Mietwagens. Die Landschaft ändert sich merklich: In Küstennahe dominieren dichte Wälder und rauschende Wasserfälle das Bild, während weiter im Landesinneren trockenere, ja fast steppenartige Ebenen auftauchen. Hier gab es offenbar vor ca. 100 Jahren eine Goldgräberzeit, in der viele Goldsucher in die Gegend kamen um die Flüsse umzugraben – wie bekannt zumeist mit geringem Erfolg. Ich übernachte in Revelstoke am Columbia River. Dort gibt es einen der größeren Staudämme entlang dieses drittgrößten nordamerikanischen Flusses. Und dieser hat ein sehr aufwendig gemachtes Visitor Center, in dem man die Geschichte und verschiedene Zahlen, Daten und Fakten zum Bau und Betrieb des Staudammes erfahren kann. U.a. gibt es ein ca. 3m * 3m großes Modell des Einzugsbereichs des Columbia Rivers, mit 3D Relief der Bergketten. Es erstreckt sich von weit nördlich in Canada bis hinunter in die amerikanischen Bundesstaaten, Oregon, Californien, Washington, Nevada und Utah. Sogar die Erdkrümmung ist maßstabsgerecht im 3D-Modell eingearbeitet – man fühlt sich beinahe wie ein Astronaut aus einigen hundert km Entfernung…

In die Canadian Rocky Mountains

Canadian Rockies bei BanffFreitag, 13. August: Am nächsten Tag geht die Fahrt weiter in die Canadian Rockies zu den berühmten Orten Banff, Lake Louise und (später) Jasper. In Lake Louise fahre ich nach kurzem Besuch des riesigen Chateau Lake Louise mit der Seilbahn auf einen Skiberg, um das Panorama besser genießen zu können. Das ganze hat mich ein wenig an die Innsbrucker Nordkette erinnert, allerdings fehlt hier der große Fluss sowie die große Stadt im Tal. Aufgrund einer HOG-Meetings (= Harley Owner Group) sieht man hunderte Harley Davidson Motorräder und deren Fahrer frequentieren die lokalen Restaurants und Campingplätze. Interessante Charaktere – mit einer Gruppe unterhalte ich mich kurz bei einer abendlichen Pizza. Leider regnet es jetzt in Strömen, sodaß ich die Harley Fahrer wenig beneide und lieber im Auto als im Zelt übernachte. (In Lake Louise ist praktisch alles im Sommer für Tage bis Wochen im voraus ausverkauft.) Nach den Besuchern zu beurteilen vermittelt der Platz fast den Eindruck, man sei irgendwo in Japan oder Asien – soviele Asiaten laufen mit Kamera durch die Gegend und füllen die Souvenir-Shops der großen Hotels (Banff Springs Hotel und Chateau Lake Louise). Mal ganz interessant und sehr gegensätzlich zur weiten, einsamen kanadischen Landschaft, insgesamt aber wohl eher untypisch; wenn nicht die tollen Berge und Seen rundherum wären, man könnte meinen, man steht am Marienplatz oder in irgendeiner sonstigen Fußgängerzone.

Das historische Banff Springs HotelSamstag, 14. August: Der nächste Tag bringt eine interessante Passage entlang des sog. Icefield Parkway im Banff - und Jasper National Park. Man sieht viele große Gletscher entlang der Rockies, die hier ca. 3000-3500m hoch aufragen. Hiking und Climbing unterliegt hier bereits einigen Restritionen aufgrund der vielen Bären, die hier leben. So wurde in Lake Louise z.B. verlangt, daß man beim Wandern oder Bergsteigen in Gruppen von mind. 6 Mitgliedern unterwegs ist – eine Gruppe ist lauter und wird wahrscheinlich eher von Bären gemieden als ein einzelner Wanderer; außerdem können sich mehrere Leute im Notfall eher gegenseitg helfen oder Hilfe holen. Wie findet aber ein einzeln reisender Gelegenheits-Bergsteiger wie ich zu genau derselben Zeit lokal 5 andere gleichgesinnte für eine Tour wie z.B. auf das Wiesbachhorn? Ziemlich aussichtslos.

An einer Stelle kann man sogar mit dem Auto bis an den Gletscher heranfahren, spezielle geländegängige Busse bieten sogar Touren auf den Gletscher an. So kann sogar ein Rollstuhlfahrer auch einmal auf den Gletscher gelangen und inmitten des Eises seine Photos schießen…

Grizzly Bär neben der StrasseAn einem Parkplatz und später auf einer 1 ½ h kurzen Wanderung zu einem Aussichtspunkt an einem Grat treffe ich 3 Japanerinnen, die den Icefield Parkway mit dem Fahrrad bewältigen; vollgepackt bis zum Umfallen scheint mir das eine ganz schöne Strapaze zu sein. Aber die jungen Frauen haben bereits mehrere ähnliche große Unternehmungen hinter sich. Auf dem Aussichtsgrat treffe ich zwei Senioren und es entwickelt sich (bei prächtiger Aussicht) ein eigenartiges Gespräch über die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen sowie in deren Meinung das in ca. 50 Jahren drohende Ende bzw. der Kollaps. Ich erinnere an die nachweislich viel zu pessimistischen Prognosen des Club-of-Rome in den 70er Jahren. Da ging’s erst richtig los: Sie seien erst vor kurzem auf einer entspr. Konferenz gewesen, und ob ich den Nachfolgeband von 1994 nicht gelesen hätte, und die Guru’s von der amerikanischen soundso-Universität hätten das alles noch einmal genau unter die Lupe genommen und es sähe wirklich nicht gut aus… Für mich merkwürdig, wie pessimistisch diese beiden freundlichen alten Herren in die (fernere) Zukunft blickten. Ich meinte, bei Prognosen über mehr als 10 Jahre sehr skeptisch zu sein, weil man einfach viele Entwicklungen, Entdeckungen, Erfindungen, Technologie usw. nicht oder nur schwer vorhersagen kann. Insbesondere wollte ich die Meinung nicht so recht teilen, daß die Erde bald überbevölkert sein wird und die Menschen nicht mehr ernährt werden können. Das Thema war vielleicht untypisch, aber solcherlei kurze, interessante Diskussionen ergeben sich bei dieser Art des Reisens recht häufig; insbesondere die Amerikaner sind ja sehr kontaktfreudig und stets für etwas smalltalk zu haben.

Ich erreiche Jasper und verbringe einige Stunden in dem Städtchen mitten im Jaser National Park. U.a. kann ich mich noch an die beiden jungen Lehrer aus Boston erinner, die ein sabbatical year einlegten und mit dem (extrem schwer bepackten) Mountainbike von Alaska nach Chile/Patagonien unterwegs waren. In der 7. Woche eines 14 Monate Trips! Und ich dachte, 4 Wochen sei ein langer Urlaub…

Auf dem Icefield Parkway sah ich dann auch meine ersten Bären, 2 Black Bears direkt neben dem Highway und 1 Grizzly Bear auf der anderen Seite eines weiten Flußbetts. Langsam wird die große, weiträumige Landschaft, Wälder, Berge bis zum Horizont ohne menschliche Eingriffe (Straßen, Häuser, Skilifttrassen, Hochspannungsleitungen usw.) mehr und mehr zum gewohnten Bild. Mir scheint, man muß diese Weite sprichwörtlich erfahren, um sie richtig einordnen zu können. Derartig weiträumige, noch völlig urtümliche und wilde Landschaften gibt es in Europa nur noch wenig, in Deutschland und Alpenraum praktisch nicht mehr. Das macht sicher einen Teil der Faszination für die vielen Touristen von Europa aus, insbesondere Deutsche und Schweizer.

Wanderung am Mt. Robson

Beginn des Berg Lake Trail am Mt. RobsonSonntag, 15. August: Nach Jasper stoppe ich in Mt. Robson am Fuße dieses höchsten Berges der Canadian Rockies. Der Mt. Robson ist fast 4000m hoch und ein ziemlich schwieriger Berg – der Mt. Everest wird öfter bestiegen als Mt. Robson! Es gibt aber den beliebten Berg Lake Trail, ein 27km langer Wanderweg am Fuße des Berges entlang an Seen, Wasserfällen und später Gletschern, die direkt in den Berg Lake münden. Abgesehen von der Länge ist dieser Trail wirklich hervorragend und bietet so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten dieser Naturlandschaft. Der Trail führt im Halbkreis um den Berg herum und endet an der Grenze zum Jasper National Park. Dort steht ein Schild mit Warnhinweis auf einen vor einigen Tagen gesichteten Grizzly mit Jungen; wir sind eben in Bear Country! Beim Abstieg treffe ich auf eine schwer bepackte Truppe mit Eiskletter-Ausrüstung; diese Jungs wollen die Nordwand besteigen, eine 800m hohe sehr steile Eiswand. Allein der Anstieg nimmt schon mehrere Tage in Anspruch. Am letzten Gletscherlager werden dann nach Plan noch zwei weitere Kletterer per Hubschrauber zu ihnen stoßen. Einer davon nimmt wohl schon seinen 5.ten Anlauf auf den Gipfel…

Berg Lake mit Gletschern vom Mt. RobsonDie letzten 2 Stunden dieses Marathon-Marsches regnet es, aber ich habe gute Ausrüstung dabei und sehe es gelassen. Solange man sich bewegt, bleibt es warm und abgesehen von meinen Ausweispapieren, die in der obersten Rucksacktasche etwas durchweicht werden, stört mich auch die Näße nur wenig. Am Abend dieses Tages habe ich ca. 50 km in den Beinen und bin froh, nur noch zu sitzen. Im nächsten Restaurant feiere ich den Tag mit einem üppigen Abendessen und einem Glas Wein. Ich kann kaum noch gehen, so ein 12h Dauermarsch mit Gepäck ist eben doch nicht ohne…

 Beginn des Alaska Highway

Montag, 16. August: Umso leichter fällt es mir, den nächsten Tag nahezu vollständig im Auto zu sitzen. Um Richtung Alaska vorwärts zu kommen, muß ich schon viele km abspulen. Ich bin ja noch nicht einmal auf dem Alaska-Highway – der fängt in Dawson Creek an, ein kleiner Ort ca. 500km nördlich vom Mt. Robson. Außer der weiten unberührten Landschaft gibt es kaum etwas zu sehen. Mein Reiseführer, ein Buch über den "Alaska-Highway", schreibt zu Dawson Creek humorvoll: "We asked a local what’s here to see and to do?" The response: "Leave!" Viele der Ortschaften hier sind eben nur Stützpunkte, die damals vor ca. 50 Jahren beim Bau des Highway benötigt wurden und sich seitdem irgendwie gehalten haben. Vorher war es so wie jetzt links und rechts des Highway – eine weite, unberührte Landschaft.

Caribou am Alaska HighwayGegen Abend erreiche ich den Moberly Lake, einen kleinen See mit Campingplatz. Zu meiner Überraschung sind die Stechmücken gar nicht einmal so schlimm – offenbar bin ich schon am Ende der Saison; die kalten Nächte machen den Mücken zu schaffen. Ich spreche den Nachbarn am Campingplatz an und es findet sich schnell ein längeres Gespräch: Eine Familie aus Alberta mit 1 Woche Urlaub hier in British Columbia. Dabei lerne ich so einiges über die Beziehung Kanada – USA sowie die (eher negative) Einstellung der meisten Kanadier zu Französisch als Staatssprache (wird nur in Quebec gesprochen, aber überall Amtssprache und erste Fremdsprache). Beim abendlichen Lagerfeuer sitzt sich’s gemütlich und die Frau bringt etliche kulinarische Leckerbissen aus dem großen Wohnmobil hervor. Wir tauschen Urlaubserlebnisse aus und spät abends studiere ich den nächtlichen Sternenhimmel aus dem Schlafsack im Zelt bis zum Einschlafen.

Muncho Lake

Dienstag, 17. August: Rustikale Unterkunft am Muncho LakeAm nächsten Tag fahre ich zum erstenmal vollständig auf dem Alcan, wie der Alaska Highway hier genannt wird. Der Anfang ist vielversprechend, die Straße ist sehr breit und geradlinig, der Belag einwandfrei und man kommt gut vorwärts. Dies ändert sich allerdings im Laufe des Tages; es gibt noch einige Passagen entlang der Gebirgszüge, wo noch der alte Straßenverlauf von vor 50 Jahren und relativ enge Kurven oder aber Schotter das Fortkommen verlangsamen. "Stone Mountain" und "Muncho Lake" heißen zwei Provincial Parks entlang des Alcan. Es geht hier in die nördlichsten Ausläufer der Rocky Mountains. Der Muncho Lake ist zwischen die Bergketten eingebettet ähnlich dem Achensee im Karwendel. Hier hat sich eine Schweizer Familie niedergelassen, die ein neues, rustikales Gasthaus und Hotel gebaut hat und einige kleine Hütten entlang des Seeufers als Zimmer vermietet.

Die besondere Attraktion hier sind die Rundflüge mit einem 1-motorigen Sportflugzeug, welches auf dem Wasser landet. Die Photos in der Lobby des Hotels sind prachtvoll; man kann verstehen, daß diese Landschaft es den Schweizern besonders angetan hat. Auch die Schweizer Hausmannskost und Deutsch-sprachige Bewirtung bringt eine willkommene Abwechslung. Sogar für Sylvester 2000 werden hier bereits spezielle Arrangements anbegoten, mit Champagner auf dem See zur Begrüßung des neuen Milleniums! Eine Schweizerin (Angestellte im Hotelbetrieb) läßt mich während einer abendlichen Unterhaltung ein wenig hinter die Kulissen des harten Tourismus-Geschäfts blicken. Als Gast nimmt man alles für selbstverständlich – als Wirt bzw. Hotelier muß man sich um alles kümmern; und hier mitten in der Wildnis ist das mangelnde Personal so ziemlich die größte Sorge. Aber auch das Heizen des zentralen Gebäudes mit riesigen Fensterflächen in den langen Wintermonaten mit –40 Grad C ist kein Pappenstiel: 10.000 Liter Oel pro Monat! Das reicht in Deutschland schon für 2-3 Winter.

Leider ist das Wetter eher wechselhaft und wolkig, sodaß sich ein Rundflug wohl nicht lohnt. Dafür sehe ich nachts bei teilweise aufklarendem Nachthimmel zum ersten Mal ein Nordlicht, die sogenannte Aurora Borealis. Die als Sonnenwind von der Sonne ausgestoßenen Teilchen werden vom Erdmagnetfeld abgelenkt und kollidieren an den magnetischen Polen der Erdkugel in ca. 70-100km Höhe mit Teilchen der Atmosphäre und regen diese zum Leuchten an. Das relative schwache Licht wird bei Dunkelheit ohne Restlicht ganz gut sichtbar. Ich sah nur gelb-weisses Nordlicht, es gibt aber wohl auch rötliche und blau-grüne Töne. Stellenweise sieht das ganze ähnlich aus wie hohe Cirrenwolken, aber im Unterschied dazu ändert sich das Bild ziemlich rasch: Die Aurora "tanzt" förmlich über den Himmel. Die "native indians" glaubten, es handele sich um einen Tanz ihrer im Himmel befindlichen Vorfahren! Auch dies ein Vorteil meiner relativ späten Reise Mitte August: Zur Zeit des längsten Tages Ende Juni wird es hier oben schon gar nicht mehr richtig dunkel, so daß man keine Aurora sehen kann.

Mittwoch, 18. August: Ausblick aufAlaska Highway und Muncho LakeAm nächsten Morgen überlege ich zwischen Kanutour und Bergtour – aber da es relativ kalt und windig ist, entscheide ich mich für die Bergtour. Im Gegensatz zu Europa gibt es hier kaum Wege oder gar Forststraßen. Daher ist es oft ein Problem, die Baumgrenze zu erreichen, denn mitten durch den Wald kommt man kaum vorwärts. Einer der Vorberge weist eine baumfreie Rippe auf, entlang derer ein Aufstieg direkt bei der Straße beginnend ohne Probleme möglich sein sollte. Ich steige auf kleinen Pfaden empor, die offensichtlich vom Wild (Caribou und Bergziegen) ausgetreten wurden. Einmal entdecke ich ein ca. 10cm langes Stück Bärenfell und wundere mich, wie das hier übriggeblieben ist? Ein wenig mulmig ist mir schon, hier mitten in der Wildnis im Land der Bären zu gehen - gemäß den Empfehlungen mache ich viel Lärm, ca. alle hundert Meter blase ich in meine SOS-Trillerpfeife, sodaß die Bären im ganzen Tal wissen, daß da jemand kommt. Bei uns in den Alpen ist man normalerweise immer so leise wie möglich; hier ist das genau umgekehrt!

Die Aussicht des 800m Vorberges ist lohnend, auch wenn dahinter noch höhere Berge aufragen und den Blick nach Osten versperren. Trotz meiner Bedenken komme ich ohne Bären zu sehen oder gar zu stören wieder hinunter und fahre dann gemütlich weiter nach Watson Lake. Dies ist die erste Station im Yukon Territory, wie die östlichste Provinz genannt wird.

Die Grenze zwischen British Columbia und Yukon wird durch den 60.ten Breitengrad markiert. Dies ist etwa soweit nördlich wie Helsinki an der Südspitze Finnlands. Dementsprechend lange ist es jetzt am Abend hell und die Dämmerung dauert fast 1 ½ Stunden. Auf dem lokalen Campingplatz treffe ich einen Parkranger wieder, mit dem ich mich kurz am Berg Lake Trail des Mt. Robson unterhalten hatte. Wir sitzen zusammen am Lagerfeuer und stoßen auf einen kleinen Schluck Rum an – ich glaube, er und seine Freundin trinken öfter einmal einen "Schluck". Wir tauschen einige Geschichten und Urlaubserlebnisse aus – so z.B. sein Bericht eines Bergunfalls am Mt. Robson unmittelbar nach meiner Abfahrt dort. Offenbar sind ein oder mehrere Kletterer am Berg in Not geraten und es mußte eine größere Rettungsaktion mit Hubschrauber organisiert werden. Als es nach Mitternacht endlich einigermaßen dunkel ist, gehen wir zum Seeufer des Watson Lake und schauen wieder dem Naturschauspiel der Aurora zu. Schon faszinierend!

Donnerstag, 19. August: Signpost ForestDer folgende Tag führt mich weiter entlang des Alcan quer durch den Yukon. Es gibt hier viele große Seen mit sehr klarem und kaltem Wasser, ideal zum Fischen und Bootsfahren. In Teslin gibt es ein interessantes Northern Wildlife Museum mit lebensgrossen Exponaten der meisten hier lebenden Wildtiere. Vom Grizzly über Wolf und Elch ist so ziemlich alles vertreten. Zwei Caribou-Bullen sind dargestellt, welche sich bei einem Brunft-Duell so mit ihren Geweihen ineinander verkeilt hatten, daß sie sich nicht mehr lösen konnten und daher an Erschöpfung und Durst starben. Dasselbe makabre Schicksal ist auf einem Photo zweier Elchbullen dargestellt, von denen nur noch das Skelett übriggeblieben war. Das Doppel-Geweih ist im Museum ausgestellt. In Teslin steht auch die längste Brücke (einige hundert Meter) des gesamten Alcan. Wie gesagt, heute fährt man beinahe gedankenlos darüber, aber damals beim Bau des Alcan vor 50 Jahren waren dies herausragende Hindernisse.

Desweiteren passiere ich die Hauptstadt Whitehorse, in der 20.000 von den nur ca. 30.000 Einwohnern von Yukon leben. Die zweitgrößte "Stadt" hat bereits weniger als 2.000 Einwohner! Der Yukon allein ist etwa so groß wie Deutschland, aber es leben dort weniger Menschen als in der Stadt Germering. Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde (nach Rußland), hat aber mit 25 Mio. Einwohnern nur ein Zehntel der Bevölkerung der USA. "There is just so much nothing out there!" Immerhin hat die Lufthansa einen nonstop-Flug von Frankfurt nach Whitehorse im Programm (dafür wurde Frankfurt – Anchorage gestrichen). Daher sieht man hier auch relativ viele deutsche und Schweizer Touristen. Neben den Campmobilen gibt es hier auch große Reisebusse, welche die Touristen entlang des Highway zur nächsten Attraktion befördern. In Whitehorse gibt es natürlich auch einiges zur Historie des Highway bzw. der zeitweise betriebenen Eisenbahnstrecken. (Mit Fertigstellung des Highway hatten allerdings die meisten Eisenbahnlinien ausgedient.) Ich nutze den Aufenthalt zum Einkaufen sowie zum Checken meiner Email.

Kluane National Park

Vom Highway sichtbare Berge des Kluane NationalparkAm Nachmittag fahre ich weiter Richtung Westen, immer der Sonne entgegen. In der Ferne ragen sehr hohe Berge auf und ich studiere wieder wie so oft die Landkarte. Es handelt sich um den Kluane National Park mit dem Massif des Mt. Logan – Kanada’s höchstem Berg. Es heißt, dies sei das größte Bergmassif der Welt bezogen auf den Höhenunterschied zu den umliegenden Ebenen. Die Gletscherriesen rund um den Mt. Logan ragen fast 6000m direkt vom Pazifik auf. Die Berge sind so hoch und so unzugänglich, dazu gibt es in den Alpen keinen Vergleich. Ein Ring von ca. 3500m hohen Gletscherbergen a la Alpenhauptkamm riegelt die inneren Berge ab. Die höchsten Gipfel kann man nicht vom Highway aus sehen; dazu muß man entweder einen der "Vorberge" oder ein Flugzeug besteigen. Der eigentliche Kluane National Park ist etwa kreisförmig mit ca. 150km Durchmesser. Im Inneren riesige Gletscher und 5 Gipfel über 5000m, Mt. Logan sogar fast 6000m. Diesen zu besteigen hat den Charakter einer Himalaya-Expedition. Man fliegt ca. 1h zum Basislager auf dem Gletscher – oder aber 1-2 Wochen Anmarsch über unwegsame Gletscher. Die eigentliche Besteigung dauert dann je nach Wetter zwischen 2 und 4 Wochen. Voraussetzung: Extreme Winter-Camping-Ausrüstung, Ausdauer und gute Höhenanpassung. Obwohl Vati und ich in Südamerika bereits einen etwa gleich hohen Gipfel bestiegen hatten, ist das hier eine ganz andere Größenordnung. Vor allem das wochenlange Campieren in der extremen Kälte bei notorisch schlechtem Wetter ist nur etwas für die extremen.

Abendstimmung am Kluane LakeLeider verpasse ich an diesem späten Nachmittag knapp die Chance für den "Flug der Flüge". Ich fahre beim lokalen kleinen Flughafen vorbei (= airstrip und ein Gebäude mit staubigem Parkplatz) und sehe dort gerade ein Sportflugzeug sowie 4 Passagiere in der Vorbereitung für einen abendlichen Rundflug. Es ist ein strahlender Abend, gelbliches Licht und wolkenlos. Mein Gefühl sagt mir, daß es solche Wetterlagen nur selten gibt. Aufgrund des sehr langen Sonnenscheins am Abend bis fast 11:00 ist noch mit 4 Stunden Abendsonne zu rechnen. Ein großer Rundflug steht auf dem Programm, aber leider ist die Maschine mit den 4 Passagieren voll besetzt. Schade! Hier wäre ich sofort mitgeflogen. Ich soll am nächsten Morgen wiederkommen, ein neuer Versuch…

Ich verbringe den Abend am Kluane Lake mit dem gelblichen Licht der tiefstehenden, aber immer noch angenehm wärmenden Sonne – eine wundervolle Stimmung. Am Seeufer treffe ich auf eine deutsche Reisegruppe, die 3 Wochen in Kanada mit Kanutour usw. unterwegs ist. Während der Unterhaltung denke ich oft an unsere Tour nach Südamerika, ebenfalls eine voll organisierte Expeditionsreise. Ein ziemlicher Gegensatz zu meiner diesjährigen Tour, völlig allein und mehr improvisiert als organisiert. Die Nacht verbringe ich in einer kleinen Cabin direkt am Seeufer auf Empfehlung einiger Locals. Vom Zimmer aus kann ich die Abenddämmerung und den klaren Nachthimmel gegen das Seeufer betrachten. Voll eingepackt in Anorak und Mütze trotze ich bis ca. 1:30 der Kälte, um wieder das tolle Nordlicht zu sehen! Das im sehr preiswerten, da ziemlich abseits gelegenen Bed&Breakfast enthaltene Frühstück mit frisch gebackenen Pfannkuchen und Rhabarber-Marmelade ist das beste meiner ganzen Reise.

Freitag, 20. August: Pilot des Sport-Flugzeugs im Kluane NationalparkAm nächsten Morgen bin ich wieder am Flugplatz und hoffe auf eine Wiederholung des sagenhaften Wetters. Soviel Glück hatte ich aber dann doch nicht: Wir starten gegen 9:00, aber bei auffrischendem Wind ziehen schon mehr und mehr Wolken vom Pazifik auf. So erreichen wir teilweise zwischen und über den Wolken fliegend ca. 3200m und haben teilweise noch eine tolle Aussicht auf die Gletscher des inneren Kluane Park. Auch die Spitzen des Mt. Logan sind über den Wolken sichtbar, allerdings noch recht weit entfernt (50km). Aus Sicherheitsgründen kürzt der Pilot den geplanten Rundflug ab und so landen wir bereits nach weniger als 1 Stunde. Es hilft auch nichts, als mir der Pilot nachher erzählt und auf der Karte zeigt, wo er gestern abend überall war, an den Gletschern spielte, dabei mit seinem Propellerlärm eine Eislawine auslöste, um den Gipfel des Mt. Logan herum sowie bis auf den Pazifik hinausflog usw. Mein Gefühl vom Vorabend war korrekt: Der Flug der Flüge…

Wieder auf dem Boden der Tatsachen (bzw. des Alcan) angelangt geht es weiter Richtung Alaska. Bei immerhin zum Autofahren noch recht brauchbarem Wetter erreiche ich dann die Grenze Yukon – Alaska, die durch den 161.ten Meridian markiert wird. Laut Reiseführer eine 750 Meilen lange, perfekte gerade Schneise durch den Wald als Grenzmarkierung. USA und Kanada haben die längste ungesicherte Grenze der Welt und eine ca. 150 Jahre währende friedliche gemeinsame Geschichte. Man merkt den Unterschied zwischen Kanada und Alaska nicht an der Landschaft, sondern vielleicht an so Dingen wie Benzinpreis (USA = 2/3 von Kanada) oder Miles vs. km. Auf einmal ist der maximum speed nicht mehr 100, sondern nur noch 55…

Wolkenbruch entlang des Alaska HighwayIch erreiche noch die Ortschaft Tok, wo u.a. eine Schlittenhund-Demonstration für die Touristen geboten wird. Dabei lernt man vieles über die Hunde, das berühmte Iditarod Rennen und den Beruf der Musher. Hier oben wird es allmählich ganz schön frisch zum Zelten, nachts kühlt es bis zum Gefrierpunkt ab. Daher schlüpfe ich nach dem Abendessen im Roadhouse mit Fernfahrer-Charme rasch in den Schlafsack und denke noch lange an die Geschichten aus dem Buch "More Bear Tales" – darin berichten Opfer von Grizzly-Attacken; nicht gerade etwas für leichte Gemüter ("…when the Grizzly bit me again, I heard the bones crack in my head; my nose and my left eye were hanging out…") Erstaunlich, daß überhaupt einige überleben…

Samstag, 21. August: Auffahr-Unfall mit dem MietwagenDer nächste Tag beginnt leider nicht sehr erfreulich: Ca. 1 h unterwegs habe ich einen Auffahrunfall mit dem Mietwagen: Ich folge einem Wohnmobil, als neben uns eine der wenigen Raststätten auftaucht. Im Vorbeifahren schaue ich nach rechts und werde durch einen Zaun abgelenkt, dessen jeder Pfosten durch ein großes Elchgeweih verziert sind. Durch diese ungewöhnliche Anordnung schaue ich etwas zu lange nach rechts und bemerke nicht, wie das Wohnmobil vor mir plötzlich bremst, um doch noch an der Raststätte zu tanken, nachdem er die erste Einfahrt bereits mit gleichbleibendem Tempo passiert hatte. Ich bremse voll, erkenne aber, daß ich schon zu knapp aufgefahren bin. Im letzten Moment versuche ich noch, nach links auf die Gegenspur auszuweichen, als ich sehe, daß kein Gegenverkehr kommt. Leider bin ich schon zu knapp und rasiere meinen vorderen rechten Kotflügel und Scheinwerfer am linke hinteren Eck des großen Campers ab. Dieser hat dort einen massiven 4-Kant-Stahlholm, welcher sich nach innen verbiegt und die ganze Energie des Aufpralls schluckt. Dabei hinterläßt er eine gräßliche Spur über meinem Radkasten; allerdings kann ich glücklicherweise noch weiterfahren – ein Abschleppen hier draußen wäre wohl ziemlich teuer geworden! Natürlich ist die Urlaubsstimmung ziemlich gedämpft, aber es hätte viel schlimmer enden können: Wenn ich nicht nach links ausweichen hätte können, wäre der Mietwagen wahrscheinlich schrottreif gewesen – ich war bestimmt noch ca. 40-50 km/h schnell; und direkt über dem Stahlholm hatte der Camper einen 20 l Kanister Benzin befestigt…

Naja, ich habe mich dann nach einigen Stunden wieder beruhigt und mit der neuen Situation abgefunden. Bei manchen schnellen Bodenwellen hat mich der Wagen dann durch ein Schleifen des Vorderreifens am Radkasten daran erinnert, daß ich ihn besser umtauschen sollte. Das versuche ich dann in Fairbanks, nachdem ich die Mitewagenfirma telephonisch unterrichtet hatte. Ein halber Tag geht dadurch verloren: Erst haben sie nur ganz wenige Autos, dann wollen sie mir einen Kleinwagen andienen, der nicht dort steht, wo er soll, und als wir ihn dann ungereinigt finden, stelle ich fest, daß dessen Vorderreifen total abgefahren sind. Einige tausend km mit diesen Reifen? Nein danke. Also diskutieren wir ein wenig und es wird beschlossen, daß ich nach Anchorage fahren soll, um dort umzutauschen (weil dort mehr Auswahl ist und der Chef sitzt.) Da fängt der Papiertiger aber erst an: Den bisherigen Wagen hätten sie schon in den Computer eingespeichert, den könne ich nicht mehr nehmen. Und da er nicht in der Fairbanks-Flotte vorkommt, erlaubt der Computer nicht, ihn wieder auszuchecken! Da muß einen Haufen manuell ausgefüllt werden und bald habe ich mehr Verträge und Änderungen als ich zählen kann. Hoffentlich wiederholt sich dieser Zirkus in Anchorage nicht…

Denali National Park

Abendstimmung im Denali NationalparkEs ist bereits später Nachmittag, als ich Fairbanks bei strahlendem Sonnenschein Richtung Süden und Denali-Nationalpark verlasse. Die Straße führt entlang eines Höhenrückens mit herrlicher Aussicht. Erst gegen 19:30 erreiche ich den Nationalpark und orientiere mich kurz beim Visitor Center. Ich buche eine Bustour für morgen. Das Visitor Center ist für einen enormen Touristenansturm ausgelegt: Die Flotte der Shuttlebusse wird an einem Schalter mit elektronischer Anzeige wie beim Flughafen-Checkin gefüllt. Trotz der sehr ähnlichen Natur also ein ziemlicher Kontrast zum stillen Mt. Logan in Kanada. Man kann mit dem eigenen Auto ein kleines Stück, weiter dann aber nur per Shuttle-Bus in den Park hineinfahren. Ich fahre in der Abendsonne noch das kleine Stück und kann immerhin den Mt. McKinley bei klarem Himmel sehen, von hier noch ca. 100km entfernt! Nach kurzer Unterhaltung mit zwei im lokalen Hotel angestellten Jugendlichen geht es dann wieder zurück. Alles im Umkreis ausgebucht, sogar die Camping-Plätze, also einmal wieder eine Nacht im Auto. Vor dem Einschlafen gehe ich noch einmal den Plan für die nächsten Tage durch; mittlerweile wird es allmählich knapp, rechtzeitig wieder nach Seattle zu kommen. Ich habe nur noch 5 Tage Zeit; und durch das ungünstige 2-Tagesraster der Fähre wird die Rückfahrt ziemlich anstrengend werden, da ich eine 3-Tages-Strecke in 2 Tagen bewältigen muß…

Sonntag, 22. August: Wolf neben dem Tourbus im Denali NationalparkDen Wecker höre ich nicht, da ich wegen der Kälte den Schlafsack über die Ohren ziehen muß. Als ich aufwache, ist es 5:30 – genau die Abfahrtszeit meines Shuttle-Bus – Verpaßt! Also plane ich den nächsten Bus um 6:30 zu erwischen. Bei einem Kaffee versuche ich die durch die nächtliche Kälte steifen Glieder etwas aufzuwärmen. Um 6:30 stehe ich dann vor dem Visitor Center und zum Glück ist der Bus noch nicht ganz voll, sodaß ich noch mit komme (ab 7:30 ist alles ausgebucht!). Die Fahrt in den Park wird zu einem der schönsten Tage des ganzen Urlaub: Es ist eine Strecke von ca. 110km Schotterpiste bis zum Eielson Visitor Center mitten im Park. Von dort aus gibt es den besten Blick auf den Denali (übersetzt "The Great One") in 40km Entfernung. Als würde man 3 Berge übereinander stapeln so richtet sich der Mt. McKinley hier ca. 5000m hoch auf. Er gilt als der kälteste Berg der Erde. Selbst im Sommer muß man wegen der Höhe und des chronisch schlechten Wetters vom Pazifik mit extremer Kälte bis ca. –50 Grad Celsius fertig werden. Ein Ranger meint, es gehören mind. 3 Dinge dazu, diesen Berg zu besteigen: (Wochenlange) Geduld mit dem Wetter, ausgezeichnete Winter Camping Ausrüstung and Höhenanpassung für 6100m.

Denali (Mt. McKinley)Der Busfahrer ist sehr lustig; ständig bringt er kleine Gags und unterhält die Fahrer auf diese Art. An einer steilen Stelle meint er: "You don’t need to be nervous, I have a lot of experience. I did my driver’s exam 4 times!" Wir sehen alle 5 der großen Tierarten: Wölfe, Bären, Bergschafe, Caribous und Elche. Vor allem ein Wolf, der für ca. 10-15 Minuten vor dem Bus auf der Straße trottet und gelegentlich ins Gebüsch schnuppert, wird zur besonderen Attraktion. Am Ende meint der Busfahrer, wir hätten den Grand Slam erlegt: Den Berg bei klarem Wetter in ganzer Pracht sowie alle 5 Tierarten gesehen! Aufrgund des vielen schlechten Wetters sehen angeblich nur etwa 20% der Besucher den Berg – heute trübt keine Wolke den Himmel und so gibt es unzählige Photomotive und schöne Erinnerungen. Die Busfahrt dauert insgesamt 9h. Eigentlich ganz angenehm, da man nicht selbst fahren muß und sich so voll auf die Natur rundherum konzentrieren kann. Dennoch ist das ziemlich anstrengend und so schlafen auch die meisten Insassen bei der Rückfahrt.

Ausgestopfter Grizzly BärKaum zurück checke ich schnell meine Voicemail, gebe Tannaz kurz telephonisch die letzten Neuigkeiten und starte dann gleich weiter nach Anchorage. Es sind immerhin noch ca. 5h Autofahrt bis dort, unterbrochen nur einmal für eine Tasse Kaffee beim Tanken.

In Anchorage dann der Weg zum Flughafen. Dort verfahre ich mich erst einmal ein wenig, da eine direkte Straße zum Flughafen nicht wie in der Karte eingezeichnet am Terminal, sondern an dessen Zaun endet! Dafür sehe ich dort einen riesigen Elchbullen vielleicht 30m vom Auto entfernt in einer Waldschneise grasen – im Denali waren die nächsten Elche 10mal soweit entfernt…

Am Flughafen dann die Zitterpartie mit dem Mietwagen. Wie sich herausstellt, habe ich aber Glück und bekomme sowohl ein gößeres Auto als auch einen neuen Vertrag, der mich im Endeffekt ca. $ 100 weniger kostet als in Seattle (wegen einer billigeren Tagespauschale anstelle einer 10% Seattle-Airport-Tax). Ich werfe also das ganze Gepäck in den neuen Mietwagen und bin gleich wieder unterwegs. Es ist ein Ford Taurus, der gleiche Wagen wie mein eigener, nur kein Kombi. Zum Reisen ist ein größeres Auto natürlich angenehmer, also kann ich mich nicht beklagen. Nach einem Fastfood-Stop fahre ich dann noch ca. 1h in die Nacht, stelle dann aber bei einem Campingplatz mein Zelt auf und schlafe nach diesem langen Tag sofort ein.

Rückfahrt durch Yukon

Montag, 23. August: In zwei Tagen muß ich in Prince Rupert sein, um auf die Fähre zu kommen; das sind 2400km Landstraße! Ob das zu schaffen ist? Wenn nicht, muß ich noch zusätzlich einen Umweg von ca. 1100 km fahren! Fixpunkt ist auf jeden Fall Seattle in 4 Tagen…

Wie nicht anders zu erwarten, ist heute der längste Tag mit der weitesten Strecke im Auto: 1400km werden es insgesamt, der erste Abschnitt in Alaska noch neu, der größere Teil dann aber wieder die bekannte Strecke auf dem Alcan in der Gegenrichtung. Anfangs gibt es herrliche Gletscher aus den Chugach-Mountains östlich von Anchorage. Der Matanuska Gletscher kommt bis fast auf Mehreshöhe in die Nähe der Straße. In allem sind die Dimensionen gewaltig. Hier gibt es einige Skigebiete und aufgrund der relativen Grossstadtnähe noch relativ viele Ferienhäuser und Hotels. Trotz des leichten Regenwetters eine faszinierende Landschaft mit den hohen Vulkanen des Wrangell St. Elias National Park im Hintergrund. Dort gibt es auch zwei 5000m hohe Vulkane. Dieser Nationalpark ist mit dem Kluane Nationalpark, angrenzenden Wilderness Parks und dem Glacier Bay National Park zum flächenmäßig größten geschützten Naturgebiet auf diesem Globus verbunden. In West-Ost Richtung erstreckt sich dies ca. 500km weit entlang des Pazifik. In diesem Land der extremen Dimensionen fällt das nicht weiter auf. Ein Park dieser Größe würde bei uns fast den ganzen Alpenraum bedecken!

Wenn hier noch etwas mehr Zeit wäre, könnte ich den Prince Williams Sound nach Valdez erkunden oder weiter östlich den Haines oder Klondike Highway, der angeblich zu den schönsten Straßen hier im Nordwesten zählt. Fahren, Fahren, Fahren!

Unberührte Weiten am Kluane LakeZum Glück ist heute schönes Wetter und ich habe die Sonne diesmal im Rücken; bei herrlichem Licht geht es zurück über den Kluane Nationalpark und weiter nach Whitehorse. Selbst bei 20h Sonnenschein pro Tag geht diese einmal unter und so geht es nach Whitehorse in die Dämmerung. Später gibt es auf der einen Seite den Vollmond, auf der anderen Seite tauchen Nordlichter auf. Nach 17h erreiche ich schließlich einen kleinen Ort und stelle gegen 1:00 Nacht mein Zelt auf. Aber noch kann ich mir keine Pause gönnen, morgen steht noch einmal ein ähnlicher Tag auf dem Programm…

Dienstag, 24. August: Beim nahegelegenen Watson Lake zweigt der Cassiar Highway nach Süden ab. Er führt entlang der Coast Mountains ca. 800km nach Süden, von dort sind es dann noch einmal ca. 200km bis Prince Rupert. Der Straßenzustand am Anfang läßt Zweifel in mir aufkommen, ob diese Distanz realistisch ist: Sehr kurvenreich, auf und ab und dazu noch schlechter Fahrbahnbelag bei strömendem Regen! Und es kommt noch schlimmer: ca. 100km dieses Highway sind nicht asphaltiert! Gut daß ich gestern bei optimalen Bedingungen soweit gefahren bin. Mein Schnitt ist heochstens 60km/h, also sehen 1000km ziemlich unrealistisch aus. Naja, vielleicht wird’s auch wieder besser. Nach 2h ist das Regengebiet durchquert und es tauchen zwischen den Wolken Berge bezuckert mit Neuschnee ab ca. 1000m auf. Die wenigen Ortschaften hier in dieser Wildnis haben nur diese eine Straße und sind eine Tagesfahrt von der nächsten größeren Ortschaft entfernt. Für unsere Verhältnisse schon ziemlich "in the middle of nowhere", für British Columbia, Yukon oder Alaska aber eher zentral (immerhin am Highway!). An einer Baustelle mit einspurigem Verkehr wird der Verkehr für ca. 15min angehalten. So eine Zwangspause nutze ich zum Mittagessen, Beine vertreten und Plaudern mit dem Straßenarbeiter, der hier in dieser Wildnis immerhin schon seit 9 Jahren lebt! Die Winter scheinen ihn wenig zu stören, schon eher der Mangel am weiblichen Geschlecht…

So geht es weiter und ich studiere immer wieder die Karte und die Anzeige der Benzinuhr sowie die Entfernungen bis zur nächsten kleinen Raststätte oder Häuseransammlung. Einmal heißt es: "Check your gas, next service station 142 km." Ich denke, mit 1/3 des Tank kein Problem und fahre eher bedenkenlos weiter. Leider ist die Benzinuhr ziemlich nichtlinear, und es war wohl nur mehr ¼ drin. Während dieser nächsten knapp 2 h senkt sich die Benzinuhr bedenklich, erst zur Reserve, dann bis zum Anschlag! Wann kommt endlich die Tankstelle? Meine Gedanken kreisen schon um das Trampen dorthin, Kaufen eines Reservekanisters, zurücktrampen usw. Ausgerechnet an einem Tag, wo die Zeit ohnehin so knapp bemessen ist. Das könnte meinen Plan über den Haufen werfen! Idiotisch, denke ich, aber nach dem Halfway-Point nicht mehr zu ändern. Schließlich schaffe ich es doch noch, bereits jederzeit mit dem Ausrollen des Ford rechnend. Welch eine Erlösung: Am Zapfhahn fülle ich 58.5l in den 60l Tank. Das war knapp. Beim Nachmittagskaffee in diesem Gasthaus stelle ich fest, daß dies ein Heli-Skiing Zentrum ist und hier den ganzen Winter über alle Zimmer ausgebucht sind. Für US $ 6,000.- pro Woche ziehen hier einige Dutzend Tiefschneefreaks ihre Spuren durch die tiefverschneiten Hänge über der Baumgrenze. Nicht gerade der billigste oder ökologischste Sport, aber sicherlich reizvoll für Powder-Fans.

Danach schleiche ich durch den schlammigsten und langsamsten Abschnitt der ganzen 4 Wochen. Der Highway wird hier erst weiter ausgebaut. Riesige Baumaschinen wühlen sich durch den Schlamm un begradigen die Straße. Durch den Dauerregen gibt’s Schlamm ohne Ende. Die hinter den großen RVs hergeschleppten Kleinwägen sind mit einer Schlammschicht überzogen, daß man kaum mehr die Lackfarbe erkennen kann. Wer hinter einem Bus oder LKW fährt, hat verloren. Schließlich ist aber auch dieses Stück überwunden und es folgt im maximalen Gegensatz dazu die beste Straße der ganzen 4 Wochen: Ein 40km Abschnitt breitester Landstraße mit wenig, langgezogenen Kurven, frisch geteert und trocken, die reinste Rennstrecke. Was für ein Gegensatz! Offenbar wollen sie diese moderne Landstraße bis in die Heli-Ski-Gebiete ausbauen…

Kurz danach sehe ich die meisten Schwarzbären meines ganzen Urlaubs: Beim ersten bleibe ich noch stehen und schaue eine Zeit lang zu, dann fahre ich um die nächste Kurve, da ist wieder einer; dann nochmal 1km, schon wieder einer - alle direkt am Straßenrand! Im Verlaufe der nächsten 20 km sehe ich dann noch 3 weitere Schwarzbären also zusammen 6 Tiere – also hier möchte ich nicht mit dem Fahrrad fahren.

Nun nähere ich mich gegen Abend dem Ende des Cassiar Highway; von hier geht es wieder nach Westen zur Pazifikküste hinaus, noch etwa 200km. Wie relativ die Entfernungs-Wahrnehmung wird. Zuhause kommt mir 200km wie eine ansehnliche Entfernung vor; man überlegt sich schon zweimal, ob man diese Entfernung z.B. für einen Tagesausflug zurücklegen möchte (außer natürlich, es geht bei gutem Flugwetter zur Schmittenhöhe ;-). Nach den letzten 3 Tagen kommt es mir vor wie der Endspurt kurz vor dem Ziel. Nur noch 2h Autofahren… Bald bin ich auf Meereshöhe herunten, die Landschaft erinnert mehr und mehr an die norwegischen Fjorde. Lange, dünne Wasserfälle strömen von überall herab, Wasser, Wasser und nochmal Wasser. Schließlich erreiche ich beim letzten dämmrigen Licht Prince Rupert und checke dort im nächstbesten Hotel ein. 29h Autofahrt in 35h, 2400km Landstraße und nur 6h Schlaf, am Tag zuvor auch ca. 14h im Auto bzw. Bus. Ein derartiges Tempo würde ich kaum jemandem anderen zumuten, so etwas kann man wohl nur alleine unternehmen. Zwar viel hinterm Steuer gesessen, aber dafür auch viel gesehen und ich hätte eigentlich keinen der vorangegangenen Tage missen wollen. Naja, ab und zu dürfen es eben ein wenig mehr km sein…

Fähre in Prince Rupert

Mittowch, 25. August: Die Dame am Telephon meinte, ich solle 2h vor der Abfahrt am Fährhafen sein. Also 5:30. Ich stelle den Wecker entspr. und bin sogleich unten bei der Fähre. Um 5:39 stehe ich am Schalter und hoffe das Beste für meine Warteliste. Die Frau am Schalter meint nur mit einer gewissen Enttäuschung: "Oh, you should have been here at 5:30!" Ich meine, es wäre doch nur einnige Minuten danach, aber diese 9 Minuten bedeuteten offenbar einen Riesenunterschied: Ab Punkt 5:30 werden nämlich die Wartelistenplätze an die Anwesenden ausgegeben. Ich war zwar an der 2.ten Position auf ihrer Liste, bekam aber nurmehr die 11.te Position hinter allen anderen! Woher sollte ich das wissen; dann wäre ich natürlich rechtzeitig dagewesen… Etwas entmutigt reihe ich mich ganz hinten ein und sehe zu, wie vielleicht 100 Autos und RVs auf die Fähre rollen. Was habe ich zu verlieren? Schon sehe ich mich wieder mehr als 1000km Autofahren, bei dem Regen! Anstatt auf der Fähre 16h lang die Beine hochzulegen und gemütlich die Fjorde vorbeiziehen zu sehen und endlich 1 Tag lang ohne Autofahren!

Um Haaresbreite Platz gehabt und 1000km Fahrt vermieden!Noch werden weitere Autos angenommen. Ich höre die Anweisungen über Funk von Bord. Für einige Wartelistenränge ist also noch Platz. Dann heißt es: "What is the smallest vehicle that you’ve got?" Zu meinem Glück sind die beiden Positionen vor mir von einem 10m Riesen-RV sowie einem Pickup-Truck belegt. Zu groß, keine Chance. Also gibt die Frau am Parkplatz meinen Ford Taurus durch – nicht gerade the smallest vehicle. Ich denke, hätte ich doch bloß einen Kleinwagen, das könnte jetzt entscheidend sein. Bange Sekunden vergehen und ich weiß, die Einschätzung des Menschen auf der Fähre entscheidet jetzt über go oder no-go. Schließlich meint er: "Ok, send’em over, we’ll give it a try!" (Bedeutet natürlich auch Can $ 300.- mehr Umsatz für sie, also im Zweifelsfall eher ja…) Mir fällt ein Stein vom Herzen und ich rolle los. Beim Einfahren muß ich einmal kurz rangieren und zirkele cm-genau in den verbleibenden Platz. Etwa 15cm hinter meiner Stossstange schließt die massive Schleuse der Fähre – knapper geht’s eigentlich nicht. Wäre vorne noch 1m mehr Platz gewesen, hätten sie wohl den Pickup-Truck vor mir genommen. Als Lehre denke ich mir: In Zukunft kommst Du genau 2h vor der Abfahrt… Ein großes Glücksgefühl kommt in mir auf, als der Pott ablegt und ich mich auf die Erholung der ganztägigen Schiffsreise freue.

Kanadische Fähre von Prince Rupert nach Vancouver IslandUnterwegs ist es zwar nicht sonderlich photogen, da ständig bewölkt, kalt, windig und regnerisch – aber mir macht es ungeheueren Spaß. Es geht durch den Greenville Channel und dann den Princess Royal Channel. Über ca. 150km von den insgesamt 500km ist die Passage nur einige hundert m breit; an vielen Stellen könnte der Pott nicht umdrehen. An der engsten Stelle sogar nur ca. 300m. Ab und zu ein Fischerboot oder vielleicht einmal eine private Yacht. Dann verlangsamt das Schiff seine Fahrt, um das im Schlepptau befindliche große Holzfloß eines Schleppers nicht durcheinander zu wirbeln. Einmal sehen wir einen Buckelwal und mehrere Male Seeadler. An Deck kann man einige Präsentationen der Forest Ranger verfolgen, die hier für die Touristen über Lachse, Adler, Bäume und anderes informieren. Man trifft sehr viele deutsch-sprechende Reisende; einige mit Reisegruppen, aber eben auch die Individual-Touristen sowie ich selbst.

Einmal unterhalte ich mich längere Zeit mit 2 jungen Frauen aus Bad Tölz und wir resumieren soz. unsere jeweiligen Reisen. Sowie früher auch auf den langen Urlauben ist es auch diesmal so: Man denkt nie soviel an zukünftige Reisen wie während eines großen Urlaubs. Fast könnte man sich daran gewöhnen, so zu vagabundieren und improvisieren, ständig Neues zu sehen und zu erleben, ständig neue Leute zu treffen, ständig die Landkarte und Bücher nach Attraktionen studierend, ständig Fahrzeiten zu kalkulieren… Interessant war auch noch die Unterhaltung mit einer 17 jährigen Kanadierin, welche nach einem 8-Monate langen Aufenthalt mit einer Jugendgruppe dem ersten Wiedersehen mit ihren Eltern und Geschwistern im Hafen von Port Hardy entgegenfieberte.

Gegen 23:00 erreichen wir dann Port Hardy auf Vancouver Island. Ich fahre noch ein kleines Stück und übernachte dann noch einmal im Auto. Leider ist das Wetter weiterhin ziemlich verregnet, aber ich muß sowieso noch ein Stück fahren und da macht es nicht soviel.

Vancouver Island

Donnerstag, 26. August: Mit dem Ocean Kayak unterwegs bei Vancouver IslandAn diesem vorletzten Tag fahre ich die Vancouver Island entlang; in Campbell River denke ich, es wäre vielleicht günstig, ein Kayak auszuleihen und ein wenig an der Küste zu paddeln. Hier in der Nähe gibt es auch ein ziemlich bekanntes Insel- und Seengebiet, wo man eine 6-7 tägige Rundtour im Kayak unternehmen kann. Thomas und Christine Winklhofer haben einmal eine solche Tour unternommen, möglicherweise sogar eben diese. Ich suche ein wenig die lokalen Anbieter durch und finde einen Jungunternehmer direkt am Wasser, mit dem ich mich sogleich anfreunde und u.a. über das Bergsteigen unterhalte. Für nur Can $ 25.- leihe ich ein Sea-Kayak mitsamt Ausrüstung für 4 h und bin auch schon unterwegs. Zunächst vorsichtig von Bucht zu Bucht paddelnd bewege ich mich vorwärts und bin erstaunt, wie rasch man mit diesen langgezogenen schmalen Booten vorwärts kommt. Nach etwa 1h fühle ich mich so richtig wohl und navigiere anhand einer genauen Karte von Bucht zu Bucht. Man kommt so an Stellen, die vom Land praktisch unzugänglich sind.

Man sieht hier viele Seeottern; sie strecken neugierig ihre Köpfe aus dem Wasser, wenn man sich nähert, zischen dann ein wenig und tauchen rasch wieder ab. Einmal habe ich bei einem großen vorgelagerten Felsen fast ein Dutzend dieser Tiere vor und rund um das Boot. Offenbar halten sich hier größere Gruppen auf und sind dabei ziemlich ungestört. Etwa zur Mitte meines Ausflugs wird es sonnig und der Ausflug wird damit viel schöner, als ich es erwartet hatte. Einmal lege ich an einer kleinen Insel an, ziehe das Boot an Land und hole einen kleinen Imbiß aus meinem im Bootsrumpf wasserdicht verstauten Tagesruckack. Auch ein Photo per Selbstauslöser muß natürlich her in dieser herrlichen Stimmung mit weichem, gelblichen Licht. Ein tolles Erlebnis. Wenn ich hier lebte, dann würde ich sicher öfter hierher in die Gegend der Strait of Georgia kommen, wie der Kanal zwischen Vancouver Island und der Küste British Columbias genannt wird.

Ocean Kayak, Vancouver IslandSchließlich setze ich mit der lokalen Fähre wieder über auf die Vancouver Island und fahre dann hinunter Richtung Nanaimo, von wo aus es mit der letzten Fähre des Tages gegen 23:00 nach Vancouver in 2h Fahrt hinüber auf’s Festland geht. Während der Fahrt rechne ich noch ein wenig, wie realistisch mein Plan wohl sein dürfte, an dem letzten verbleibenden Tag noch eine Bergtour auf den Mt. Baker zu machen. Ich fahre noch bis gegen 2:30 nachts durch die Gegend und reise dabei ohne Probleme wieder nach USA ein. Dann werde ich aber so müde, daß ich mein Ziel, das Visitor Center der Mt. Baker Wilderness Area, doch nicht mehr ganz erreiche. Mal sehen, was ich morgen früh noch in Erfahrung bringen kann…

Bergtour auf den Mt. Baker

Freitag, 27. August: Ich wache wieder nach ca. 5-6h Schlaf auf – es ist schon nach 8:00, für eine größere Bergtour eigentlich viel zu spät! Ich fahre zum Visitor Center und erkundige mich dort nach Wanderwegen und beiläufig auch nach der Normalroute auf den Gipfel des über 10.000 ft hohen Vulkans (ca. 3250m). Ich studiere die Karten und Anfahrtswege und fasse trotz der "späten" Stunde den Beschluß, es zumindest zu probieren. Denn "against all odds" ist heute ein strahlender Tag mit bester Sicht und nur wenig Wind. Nach dem Regen der letzten Tage ist die Luft fast völlig staubfrei und nur wenige Cirren sind am Himmel. Ein Zwischenhoch wie bestellt genau zum richtigen Zeitpunkt; Glück muß man haben beim Bergsteigerwetter!

Anstieg auf den Mt. BakerIch starte vom Auto erst gegen 9:30 und es sind 2100 Höhenmeter, also eigentlich kaum machbar. Die meisten Leute hier gehen das als 2-Tagestour an; die wenigen, die sich die 7000 vertical ft in einem Tag zumuten, starten zumindest deutlich vor Sonnenaufgang! So komme ich mir etwas deplaziert vor, als ich gegen 10:00 vormittag durch den Wald über mehrere Bäche in Richtung Gletscher steige. Dieser reicht hier aufgrund der enormen Schneemassen bis 1500m NN herab. Angeblich gab es in diesem Jahr mehr als 1000 inch (ca. 25m) Schneefall – ein Rekord selbst für diese niederschlagsreiche Ecke. Dementsprechend massig sind auch die Gletscher mit sehr imposanten Spalten, teilweise schätzungsweise bis 30m tief!! Auf der gut ausgetretenen Spur komme ich dank des relativ geringen Gewichts meines Rucksacks recht rasch voran. Einige wenige Seilschaften kommen mir entgegen und fragen, ob bzw. wo ich campieren wolle. Meist gebe ich nur zurück, ich wolle noch ein Stück weitersteigen und spätestens um 15:00 umdrehen. Genau das habe ich auch gemacht…

Massive Vergletscherung bei 25m Niederschlag pro JahrIm oberen Bereich wird es mäßig steil und man braucht hier schon etwas Gletschererfahrung und unbedingt Steigeisen, da teilweise ziemlich blankes Eis vorliegt. Alle Gletscherspalten sind gut umgangen bzw. die eine oder andere durch ziemlich dicke Brücken überschreitbar. Schließlich erreiche ich 15 min. vor meiner turnaround time den Gipfel – was für eine strahlende Fernsicht in alle Richtungen! Vom Vancouver Becken über die Vancouver Island, die Olympic Peninsula und dahinter im Westen den Pazifik, Seattle und Mt. Rainier sowie Glacier Peak im Süden sowie unzählige Gipfel der Canadian Rockies im Nordwesten. Einen besseren Tag hätte ich mir kaum vorstellen können. Ein Sportflugzeug dreht ein paar Runden um den Gipfel und macht mir die späte Stunde wieder bewußt. Im Gegensatz zu dessen Pilot habe ich noch einen langen Fußmarsch vor mir. Es fällt mir schwer, aber nach ½ h löse ich mich von der fesselnden Aussicht und beginne den Abstieg; zuerst vorsichtig, da relativ steil im oberen Bereich, später aber sehr zügig begünstigt wieder wie so oft durch das Abrutschen im aufgeweichten Firn.

Bald erreiche ich zwei andere Seilschaften im Aufstieg, die am Gletscher im Zelt übernachten werden. Wir unterhalten uns ein wenig über die noch vor ihnen liegende Route. Es ist interessant: Beim Aufstieg noch ist man gespannt und gierig, Neuigkeiten über den Routenverlauf zu erfahren, zumindest wenn man einen Berg zum erstenmal besteigt. Wenige Stunden später beim Abstieg erzählt man dann den nachfolgenden Seilschaften bereits über die vertraute Route und das Rollenverhältnis vertauscht sich. Ein letztes Mal setzte ich mich am Gletscher in die bereits tiefer stehende, aber durch den reflektierenden Schnee immer noch unangenehm heiße Nachmittagssonne. Ich hole noch etwas Obst und Müsliriegel hervor und trinke dazu mein Gatorade. Die Gedanken schweifen hinaus in die Ferne und zurück über die letzten Wochen. Was für ein hervorragender Abschluß meiner 4-wöchigen Reise, die mit Bergsteigen auf die hohen Vulkane begann und ebenso endet.

Am Gipfel des Mt. Baker, 3100m

Von unserem Urlaub in Seattle im Vorjahr kenne ich noch ein gutes Steakhouse. Nach knapp 2h Fahrt in die Dämmerung und Dunkelheit komme ich dort noch rechtzeitig an, um den Tag mit einem schönen New York Strip Steak und Glas Rotwein gebührend zu feiern und so den Urlaub richtig ausklingen zu lassen. Ich sitze fast am selben Tisch wie ein Jahr zuvor mit Tannaz und den beiden Kindern. Danach bleibt mir nur noch, das Auto aufzuräumen und die im gesamten Fahrzeug verteilte Ausrüstung, Wäsche, Essen und Trinken, Landkarten, Bücher usw. in 3 Taschen und 1 Rucksack zu packen, sodaß ich morgen früh den Rückflug nach Florida antreten kann. Schließlich gebe ich den Mietwagen noch spät nachts zurück und übernachte halb im Sitzen am Flughafen, um in der Früh nichts mehr tun zu müssen, außer das Gepäck einzuchecken. Das Schlafdefizit der letzten 4-5 Tage sowie die Höhenluft und intensive Sonne des letzten Tages machen sich jetzt stark bemerkbar, ohne Wecker hätte ich wohl den Flug um 8:45 noch verpaßt. Aber Sitzen und Schlafen kann ich ja jetzt erst einmal wieder genug – und meine Gedanken wandern noch einmal zurück zu jedem einzelnen der letzten 28 Tage…

Samstag, 28. August: Rückreise von Seattle, Washington nach West Palm Beach, Florida.